Gemeinsam Barrieren abbauen

Das Bild zeigt die Empowerment TeilnehmerInnen bei der Stadtführung durch die Mainzer Innenstadt (c) Ute GermannDass man gemeinsam viele Barrieren abbauen kann, das erlebten die TeilnehmerInnen der ISL-Empowerment Schulung "Stärker werden und etwas verändern!" am Wochenende in Mainz.

Beim zweiten von insgesamt vier Kursen der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Schulung für behinderte Menschen aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland zeigte die Behindertenbeauftragte der Stadt Mainz, Marita Boos-Waidosch, ihre Lieblingsorte im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.

Von Freitag bis Sonntag ging es bei diesem Empowerment Schulungskurs, zu dem die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) eingeladen hatte, vorrangig um die Themen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Passend dazu wurde ein Film über die Weiterbildung gedreht, der im Internet veröffentlicht wird. Nachdem die TeilnehmerInnen am Freitag die ersten Ergebnisse ihrer Projekte vorstellten, die sie im Rahmen der Schulung durchführen und mit Christian Papadopoulos vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Gespräch über die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention auf Bundesebene kamen, ging es am Samstagnachmittag in die Mainzer Innenstadt.

Marita Boos-Waidosch, die seit über 20 Jahren Behindertenbeauftragte der Stadt Mainz ist, erwartete die Gruppe am Fastachtsbrunnen am Schillerplatz, wo sie zur Begrüßung auf das Thema Mobilität einging. Nach harten Kämpfen in den 90er Jahren sind in Mainz mittlerweile 100 Prozent der Stadtbusse und fast alle Straßenbahnen und Haltestellen barrierefrei nutzbar. Die Echtzeitinformationen an den Haltestellen können nicht nur gelesen, sondern auch per Knopfdruck akustisch angehört werden. Auf dem Weg zum Staatstheater machte Marita Boos-Waidosch deutlich, dass es in Sachen barrierefreie Gaststätten noch einiges zu tun gibt. Eine Eisdiele weigere sich beispielsweise noch vehement, Stufen abzubauen und die Toilette barrierefrei zu gestalten. Bei vielen anderen sei dies in Mainz bereits gelungen. Mainz sei mittlerweile wahrscheinlich die Stadt mit den meisten Behindertentoiletten.
Vor dem Staatstheater gab es dann eine Performance von vielen starken Frauen der Schulung, die in mit einem kleinen Flashmob vor laufender Kamera deutlich machten, dass behinderte Frauen einges bewegen können. Das Staatstheater selbst war eine gute Plattform um aufzuzeigen, warum der Eingang durch den Haupt- statt durch den Nebeneingang wichtig ist, weil man sich hier vor und nach den Vorstellungen begegnet. Hier ist es nämlich nach vielen Diskussionen gelungen, in die Treppe vor dem Staatstheater eine Rampe einzubauen, worauf Marita Boos-Waidosch besonders stolz ist. Denn gerade die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen und eine gleichberechtigte Freizeitgestaltung sind Kernziele der UN-Behindertenrechtskonvention. Das Tastmodell am Dom ermöglicht es nicht nur blinden und sehbehinderten Menschen das gesamte Areal des Doms abzutasten, auch für Kinder ist dies ein tolles Lernfeld. Dieses Mal krabbelte sogar ein kleines Kind auf dem Tastmodell herum.
Das Gutenberg-Museum, ein Wohnprojekt für behinderte Menschen mitten in der Stadt, die immer barrierefreier werdende Volkshochschule, das Haus der Jugend und das Café Forster als Integrationsbetrieb waren weitere Stationen des Stadtrundgangs zur UN-Behindertenrechtskonvention, den Marita Boos-Waidosch anbot. Dabei wies sie immer wieder darauf hin, dass Barrierefreiheit umfassend ist, so gibt es in Mainz beispielsweise auch Stadtführungen in Gebärdensprache. Wichtig ist auch, dass es immer wieder Plätze zum Sitzen gab, wo man sich ausruhen konnte.
Die verschiedenen Stationen wurden auch dazu genutzt, um Interviews mit den TeilnehmerInnen der Empowerment Schulung für den Film über die Schulung durchzuführen. Dies war eine ganz praktische Übung für die TeilnehmerInnen, sich vor eine laufender Kamera zu trauen und möglichst kurz und prägnant deutlich zu machen, worum es beim Empowerment geht und wofür die TeilnehmerInnen eintreten.
Rollenspiele sowie Tipps und Tricks für eine gute Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bildeten einen weiteren Rahmen für die Schulung, so dass die TeilnehmerInnen, aber auch die TrainerInnen am Sonntagnachmittag ganz schön geschafft waren. "Diese tolle Empowerment-Schulung lebt ganz entscheidend von dem großen Engagement der TeilnehmerInnen", waren sich die beiden TrainerInnen Eileen Moritz und Ottmar Miles-Paul in ihrer Zusammenfassung deutlich. Die dritte der vier Schulungen in Mainz findet im September statt.
Im Juli startet in Erfurt der vierteilige Schulungskurs für behinderte Menschen aus Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern, wofür die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen ist. Die Ausschreibungen für die weiteren Schulungen der anderen Bundesländer in Berlin, Bremen und Düsseldorf folgen in Kürze und werden auf der Internetseite des Projektes unter http://www.isl-ev.de/index.php/de/aktuelles/projekte/empowerment-schulung veröffentlicht.