Mehrfachdiskriminierung beim Thema Behinderung mitdenken!

Transparent der VeranstaltungIn Zusammenarbeit mit dem Gunda-Werner-Institut der Heinrich Böll-Stiftung hat die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) einen Workshop "Feminismus trifft Behinderung - Die Empfehlungen des UN-Fachausschusses zur Behindertenrechtskonvention" organisiert. Auf einem Panel im Rahmen der viertägigen Konferenz "Dare the impossible - Wage das Unmögliche" diskutierte ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade mit Prof. Dr. Swantje Köbsell von der Alice-Salomon Hochschule, mit der Journalistin Rebecca Maskos, der Diversity-Trainerin Judy Gummich und mit Britta Leisering von der Monitoring-Stelle zur UN-BRK beim Deutschen Institut für Menschenrechte. Dabei spielten die Empfehlungen des Genfer Ausschusses für Deutschland eine zentrale Rolle. Wichtiges Thema der Runde war die sexualisierte Gewalt, von der Mädchen und Frauen mit und ohne Migrations- oder Flüchtlingshintergrund besonders betroffen sind. Deshalb, so Leisering, sei ein Aktionsplan zum Thema Gewalt gegen behinderte Frauen, der Handlungsansätze auf kommunaler, Landes- und Bundesebene umfasst, zu entwickeln. In Einrichtungen wie der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie, müssten ferner Möglichkeiten der unabhängigen Beschwerdeführung, etwa über Frauenbeauftragte, wie Maskos ausführte, installiert werden.

Immer wieder ging es in der Diskussion auch um stärkere Selbstorganisation und bessere Möglichkeiten der Vernetzung. Diversity-Trainerin Gummich betonte dabei die wichtige Rolle von Empowerment und Menschenrechtsbildung. In der Forschung würden laut Köbsell oft nur die Kategorien Geschlecht, Herkunft und Klasse berücksichtigt, die Kategorie "Behinderung" fehle oft. Selbstkritisch merkte Köbsell aber auch an, dass auch in der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung kaum behinderte Menschen mit Migrationshintergrund an vorderster Stelle zu sehen seien.

Beim Thema Behinderung, stellte Moderatorin Arnade zusammenfassend fest, müssten deshalb immer auch das Geschlecht, die Herkunft und andere Diskriminierungsmerkmale, also das, was die Forschung "Intersektionalität" nennt, als Querschnittskriterien mitgedacht werden. Die Veranstaltung in den Räumen der Berliner Böll-Stiftung stieß auf reges Interesse, besonders bei jungen Menschen. Spontan fanden sich außerdem einige Frauen zusammen, die sich für behinderte Flüchtlinge engagieren wollen.

(Foto von links: Swantje Köbsell, Britta Leisering, Sigrid Arnade, Rebecca Maskos, Judy Gummich; stehend Simone Habel von Gunda-Werner-Institut)

Die Teilnehmerinnen auf dem Podium (c) ISL e.V.