UN-Konvention auch im Gesundheitswesen umsetzen!

Das Bild zeigt Ministerin Barbara Steffens im Gespräch mit Sigrid Arnade (c) ISL e.V.Die Kluft zwischen den Vorgaben der Behindertenrechtskonvention (BRK) und der Realität im Gesundheitswesen ist groß und es besteht die Gefahr, dass sie noch zunimmt. Darin waren sich die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens und die Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) Dr. Sigrid Arnade bei ihrem Gespräch im Düsseldorfer Ministerium einig.

„Unser Gesundheitssystem ist krank“, betonte Ministerin Steffens, und das Konzept der „sprechenden Medizin“ werde zurückgedrängt. Das betreffe gerade viele ältere und behinderte Menschen. Sigrid Arnade ergänzte, dass das medizinische Modell von Behinderung noch sehr stark vorherrsche und eine menschenrechtliche Betrachtungsweise in den Kinderschuhen stecke. „Die ICF, die internationale Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit ist häufig unbekannt“, so Arnade, „und das wirksame Konzept der Salutogenese, das sich damit befasst, wie Gesundheit entsteht, wird nicht flächendeckend umgesetzt.“

Weitere Themen waren der Einbezug des Peer-Counseling-Ansatzes in die Arbeit der unabhängigen Patientenberatungsstellen und eine mögliche Bundesratsinitiative von NRW zur Änderung des § 20 c SGB V zur Selbsthilfeförderung. Gerade dort, so Arnade, müsse der Geist der UN-Konvention deutlicher sichtbar werden als bisher.

Die Ministerin zeigte sich auch sehr interessiert an der Initiative für ein Gesetz zur Sozialen Teilhabe und am Vorhaben der ISL, ein Modellcurriculum zur Sensibilisierung von Ärztinnen und Ärzten in Sachen Barrierefreiheit zu erstellen. Deshalb wurde vereinbart, die Zusammenarbeit in Zukunft zu verstärken.