ZDF streicht Sendung „Menschen-das Magazin“

Heiden-MonitorversionEin medienpolitischer Kommentar von H.- Günter Heiden (ISL)

Es war ein dürrer Satz, der den Schluss einer ZDF-Pressemitteilung vom 10. Dezember zur geplanten „Optimierung des Programmschemas“ bildete: „Die Themen der Sendung ´Menschen` gehen in dem neuen Magazin mit auf“. Zum 1. April 2011 will das ZDF damit den wöchentlichen Sendeplatz streichen, auf dem jeden Samstag um 17.45 knapp 15 Minuten lang zum Themenkomplex „Behinderung“ berichtet wird. Zur Begründung aller Änderungen, die nicht nur das Magazin „Menschen“ betreffen, führt ZDF-Intendant Markus Schächter an, dass man sich mit „gebündelten Informations- und Unterhaltungsstrecken“ noch deutlicher als bisher im Hauptprogramm „profilieren“ wolle. Hat das ZDF damit jetzt einen genialen Plan zur Umsetzung von Disabililty Mainstreaming ausgeheckt, wie es die UN-Behindertenrechtskonvention fordert? Kommen nun ab April in jeder Sendung, von A wie aspekte bis Z wie ZDF-reportage die Anliegen behinderter Menschen zur Sprache? Ist dies der durchdachte Beitrag eines öffentlich-rechtlichen Mediums zur Bewusstseinsbildung nach Artikel acht der Konvention?

Das wäre in der Tat ein schönes Weihnachtsgeschenk, wenn dem noch eine weitere Pressemeldung folgte, in der Schächter eine 100prozentige Untertitelung des ZDF-Programms ab April 2011 ankündigen würde. Doch weit gefehlt – die Themen der Sendung „Menschen“ sollen in das Frauenmagazin „Mona Lisa“ integriert werden, das statt Sonntags am Samstag um 17.45 Uhr gesendet werden soll. „Mona Lisa“ wiederum soll zu einem Magazin umgebaut werden, das auch „Beziehungs- und Familienthemen in den Fokus nimmt“.

Herzlichen Glückwunsch, liebes ZDF! Du hast verstanden! Behinderung ist kein Menschenrechtsthema, das versteht ja sowieso keiner! Behinderung ist in einem „Frauen-Familien-Beziehungs-Magazin“ hervorragend aufgehoben. Noch besser fände ich es aber, die Themen von „Menschen“ in die freitägliche Sendung „Lanz kocht“ zu inkludieren, denn so könnte die über Jahre bewährte Berichterstattung zu behinderten Menschen noch schmackhafter zerhackt, durch den Fleischwolf gedreht und verköchelt werden. Deshalb zahlen behinderte Frauen und Männern in Zukunft auch freudigen Herzens Rundfunkgebühren, wie gerade beschlossen wurde. In diesem Sinne – danke und frohe Weihnachten, Herr Schächter!