Barrierefreiheit muss in ARD-Themenwoche wichtige Rolle spielen

Porträt von Sigrid Arnade (c) ISL e.V.„Barrierefreiheit“ muss als umfassender Querschnittsaspekt in den Berichten der kommenden ARD -Themenwoche „Der mobile Mensch“ (22. – 27. Mai) eine wichtige Rolle spielen, da sie einen zentralen Aspekt für die Mobilität aller Menschen darstellt. Dies hat die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) in einem Schreiben an den ARD-Programmdirektor Volker Herres gefordert: „Aus den Veröffentlichungen der ARD haben wir entnommen, dass das Themenspektrum von Mobilität im Berufsalltag und in der Freizeit bis hin zu sozialen Aspekten und Zukunftsvisionen reichen soll“ schreibt die ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade. “Bislang ist aus den uns bekannten Veröffentlichungen der ARD allerdings nicht erkennbar, inwieweit auch der Aspekt der Barrierefreiheit einbezogen wird.“ Arnade verweist in ihrem Schreiben darauf, dass Barrierefreiheit für 100 Prozent der Bevölkerung komfortabel, für 40 Prozent wichtig und für 10 Prozent zwingend erforderlich sei. Nach jüngsten Erhebungen (Mikrozensus 2009) seien rund 11 Prozent aller BundesbürgerInnen behindert. Mobilität sei also für weite Teile der Menschen mit Behinderungen ohne umfassende Barrierefreiheit überhaupt nicht möglich. „Es bestehen vor allem infrastrukturelle Barrieren für die Mobilität behinderter Menschen“, betont Arnade. „Fehlende Leit- und Orientierungssysteme, Probleme der durchgehenden ÖPNV-Nutzung, Lücken in der touristischen Servicekette, Probleme bei der Nutzung von Flugzeugen, Fernbussen und der Eisenbahn. Beim gerade aktuellen Thema eMobility wird von blinden VerkehrsteilnehmerInnen beanstandet, dass aufgrund der schwer hörbaren Gefährte eine akustische Orientierung kaum mehr möglich ist.“ Neben den infrastrukturellen Barrieren gibt es nach Arnade aber auch gesetzliche Barrieren: Häufig werde eine KfZ-Finanzierung für behinderte Menschen an ihre Berufstätigkeit gekoppelt, soziale Belange wie Elternschaft, Wahl- und Ehrenämter, etc. blieben in der Regel unberücksichtigt.

Natürlich gebe es, so Arnade, neben den Barrieren für Menschen mit Behinderungen auch viele Möglichkeiten, mobil zu sein. Diese könnten auch thematisiert werden: Mobilität durch KfZ-Umrüstung, GPS-Orientierung für blinde NutzerInnen, Niederflurtechnik und barrierefreie Gestaltung von Gebäuden und Verkehrsmitteln, etc.

„Aus all den aufgeführten Gründen sind wir der Ansicht, dass eine Themenwoche ´mobiler Mensch´ ohne ´Barrierefreiheit´ die Lebensrealität weiter Bevölkerungskreise ausklammert und somit unzureichend ist“ appelliert Arnade an Herres und fordert die Programmdirektion zu einer Information darüber auf, inwieweit dieser Querschnittsaspekt in die ARD-Themenwoche Eingang finden wird.