Spende für den Bundesverband ISL

Porträt von Tanja Frehse (c) Tanja FrehseDie Schauspielerin Tanja Frehse spielt die Rolle der Maria Stadler in der Fernsehserie "Lindenstraße" äußerst engagiert. Sie hat sich beim Perfekten Promi Dinner, das am 10. Juli 2011 vom Sender VOX ausgestrahlt wurde, nicht nur als Köchin ausgezeichnet, sondern auch dafür gesorgt, dass ein Teil des Gewinns dem Behindertenverband Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. - ISL zugute kommt. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Tanja Frehse u.a. über ihre Beweggründe für diese Spende:


kobinet-nachrichten: In Ihrer Rolle als Maria Stadler haben Sie es in der Lindenstraße derzeit nicht gerade leicht, Ihre Familie zusammenzuhalten. War es beim Perfekten Promi Dinner denn leichter, die Töpfe entsprechend in Schach zu halten?

Tanja Frehse: Das war gar nicht so einfach, denn so gern ich koche, steht man beim Perfekten Promi Dinner in gewisser Weise ganz schön unter Dampf. In der Lindenstraße wird mein Essen zwar auch hin und wieder von meiner Fernsehfamilie entsprechend bewertet, aber wenn es am Ende dann Punkte wie beim Perfekten Promi Dinner gibt, ist das noch mal was ganz anderes. Die Mitwirkung in der Sendung hat mir auf jeden Fall viel Spaß gemacht, und wenn ich dabei noch etwas für einen guten Zweck beitragen konnte, ist das natürlich besonders schön.

kobinet-nachrichten: Anders als in der Lindenstraße, wo Sie ja seit Monaten in der Liebe zu Ihrem Mann und dessen Bruder hin und her gerissen sind, fiel Ihnen die Entscheidung über die Vergabe des Gewinns anscheinend leichter.

Tanja Frehse: Ja, das stimmt. Wir konnten uns den Gewinn von 5.000 Euro ja zu dritt aufteilen, und da war für mich klar, dass ich meinen Anteil dem Behindertenverband Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. - ISL spenden möchte.

kobinet-nachrichten: Was hat Sie veranlasst, das Geld der ISL zu spenden?

Tanja Frehse: In den letzten Jahren habe ich häufig vom Engagement behinderter Menschen für mehr Selbstbestimmung und Gleichstellung gehört. Mein Bruder Uwe Frevert ist schwerbehindert und Vorstandsmitglied der ISL. Durch ihn habe ich viel von der Arbeit der ISL erfahren. Mich hat beeindruckt, dass die ISL sich zum Prinzip gemacht hat, dass behinderte Menschen selbst sich für ihre Interessen und ihre Selbstbestimmung stark machen. Und genau das gefällt mir, wenn Menschen nicht nur darauf warten, "dass sich etwas für sie tut", sondern sich selbst für ihre Veränderungen einsetzen und anderen Menschen zeigen, wie es funktionieren kann. Und wer könnte das besser als Menschen, die selbst mit einer Behinderung leben und dabei vieles gelernt haben, was sie anderen behinderten, aber auch nichtbehinderten Menschen, weitergeben können.

kobinet-nachrichten: Die Lindenstraße praktiziert ja in gewisser Weise ein hohes Maß an Inklusion. Themen, die behinderte Menschen betreffen, waren schon früh in der Lindenstraße präsent. Dr. Dressler nutzt einen Rollstuhl, Gabriele Zenker hört schlechter, Mürfel hat das Down-Syndrom und Hildegard Scholz hat Demenz. Glauben Sie daran, dass es in der realen Welt außerhalb der Lindenstraße auch einmal möglich sein wird, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen ganz selbstverständlich mittendrin dabei sein können, wie dies in der Filmwelt der Lindenstraße der Fall ist?

Tanja Frehse: Ich hoffe es, denn sehr viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen leben ja in unserer Gesellschaft. Leider werden sie noch viel zu oft an den Rand der Gesellschaft gedrängt und die Hilfen die sie brauchen und die mit öffentlichen Geldern finanziert werden, erhalten sie überwiegend nur über Institutionen wie Heime, den Werkstätten für behinderte Menschen oder den Sonderschulen. Hier gibt es noch viel zu tun, vor allem müssen dabei noch einige Barrieren in den Köpfen abgebaut werden. Gerade weil ich über meinen Bruder weiß, dass eine Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben möglich ist, habe ich mich entschieden, meinen Anteil des Preisgeldes der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland zu geben. Denn die Teilhabe Prozess kann nur wirklich gelingen, wenn die Betroffenen selbst dabei im Mittelpunkt stehen und entsprechend gestärkt und gehört werden.

kobinet-nachrichten: Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg bei Ihrem schauspielerischen und kulinarischen Wirken!

Vorstand und Geschäftsführung der ISL danken Tanja Frehse ebenfalls aus ganzem Herzen!