Bundesregierung unterschlägt behinderte Fachkräfte

Logo der ILODie Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat die heute vorgestellte Fachkräftekampagne von Bundesregierung und Bundesagentur für Arbeit (BA) scharf kritisiert: „Es ist unglaublich, mit welcher Ignoranz die Qualifikationen von Fachkräften mit Behinderung in dieser Kampagne geleugnet werden“ stellt die ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade fest. „Als Fachkräftepotenzial in den neuen Internetportalen werden lediglich Frauen, Migranten, die Generation 50 plus, Schul- und Hochschulabsolventen und internationale Fachkräfte benannt!“
Dies sei schwer nachzuvollziehen, so Arnade, da die Bundesagentur für Arbeit sogar selber in einer aktuellen Statistik vom Juni 2012 veröffentlichte, dass der Fachkräfteanteil bei schwerbehinderten Arbeitslosen höher ist als bei nicht schwerbehinderten Arbeitslosen! So weisen schwerbehinderte Arbeitslose zu 56 Prozent eine betriebliche oder schulische Ausbildung auf, ohne Abschluss sind 40 Prozent. In der Vergleichsgruppe der nicht schwerbehinderten Arbeitslosen haben nur 49 Prozent eine betriebliche oder schulische Ausbildung und ohne Abschluss sind 45 Prozent.

Andere Länder dagegen, so die ISL, haben das Fachkräftepotenzial behinderter Menschen im Rahmen einer Strategie der Vielfalt in der Arbeitswelt längst erkannt, wie eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zeigt: In Serbien etwa existiert ein Arbeitgebernetzwerk mit 1800 Unternehmen und 100 regionalen Organisationen. In Australien sind es 100 Mitglieder aus allen Unternehmensbereichen und in Großbritannien arbeitet man bereits gezielt an der Qualifikation behinderter Führungskräfte. Gemeinsam ist all diesen internationalen Initiativen, dass sie die Beteiligung behinderter ExpertInnen und behinderter ArbeitgeberInnen als unverzichtbaren Bestandteil ihrer Strategie sehen.

„Wenn es die Bundesregierung wirklich ernst meint mit ihrer Fachkräftekampagne, es ernst meint mit Diversity und Vielfalt, dann muss sie endlich damit aufhören, Menschen mit Behinderungen als Sondergruppe zu betrachten“ fordert Arnade. „In einen inklusiven Arbeitsmarkt gehören auch wirklich alle!“