Kreishandwerkerschaft in Montabaur informierte sich über Fachkräftepotential behinderter Menschen

Gruppenbild der ReferentInnen in MontabaurDas Forum Soziale Gerechtigkeit und die Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald sehen großen Handlungsbedarf bei der Beschäftigung behinderter Menschen. Sie luden aus diesem Grund zu einem Arbeitgeberseminar in die Räume der Kreishandwerkerschaft in Montabaur ein. Unterstützt wurden die beiden Veranstalter vom Projekt Job-Win-Win der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). Die Veranstalter wollten mit Hilfe der ISL darüber informieren, wie die Chancen behinderter Menschen auf dem heimischen Arbeitsmarkt verbessert und dadurch auch ein Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs geleistet werden kann.

Uli Schmidt, Gastgeber des Forum Soziale Gerechtigkeit unterstrich die Bedeutung der Initiative: „Es ist nicht akzeptabel, dass viele heimische Firmen  sich der Beschäftigung behinderter Menschen verweigern, obwohl sie weitreichende staatliche Unterstützungen in Anspruch nehmen können“.


Barbara Vieweg und Wiebke Schär vom Projekt Job-Win-Win stellten in drei kurzen Vorträgen die Situation dar: Zunächst wurde die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen und zur Forderung nach einem inklusiven Arbeitsmarkt vorgestellt. Danach standen Studien über die Beschäftigungslage behinderter Menschen im Mittelpunkt: Aus der Puls Markforschungsstudie werde zum Beispiel deutlich, dass knapp 80 Prozent der befragten Unternehmen, die bereits behinderte Menschen beschäftigen, über gute bis sehr gute Erfahrung berichten. Beinträchtigte ArbeitnehmerInnen seien im Betrieb meist wertvolle Fachkräfte, noch mehr Firmen müssten aber ihr Potential erkennen. Ein Vortrag über die Fördermöglichkeiten bei der Beschäftigung behinderter Menschen verbunden mit vielen praktischen Beispielen rundete den Infoteil ab.

Zwei MentorInnen des Job-Win-Win-Arbeitgebernetzwerkes berichteten in einem anschließenden Gespräch über ihre positiven Erfahrungen bei der Beschäftigung behinderter Frauen und Männer. „Es ist mir ein Rätsel, weshalb nicht mehr Unternehmen deren meist hohe Leistungsbereitschaft erkennen“, so Friedhelm Peetz (Brühl bei Bonn). Die viele positive Effekte und Erfahrungen bei der Beschäftigung von 25 schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hob Garcia Schade, Geschäftsführerin des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben (Mainz) hervor.

Nach diesen Beiträgen entspann sich eine lebhafte Diskussion unter den Zuhörern. Einige Anwesende beklagten die Bürokratie bei der Beantragung von Förderungen oder der Zustimmung auf Kündigung. So bestehe der Eindruck, dass nahezu 100 Prozent  aller Anträge auf Kündigung durch das Integrationsamt abgelehnt werden, während tatsächlich in 77 Prozent aller Anträge eine Zustimmung erfolgt. Die Kreishandwerkerschaft will nun ihre Mitglieder noch besser informieren und unterstützen, damit im Handwerk behinderte Menschen noch häufiger beschäftigt werden.

Montabaur-Monitor-klein

Foto: Sie alle waren um Aufklärung über die Beschäftigung behinderter Menschen im Westerwald bemüht, vlnr:  Friedhelm Peetz (Mentor), Elisabeth Schubert (Kreishandwerkerschaft), Rene Sehr (Agentur für Arbeit), Barbara Vieweg (ISL), Udo Runkel (Kreishandwerkerschaft), Wiebke Schär (ISL), Uli Schmidt (Forum Soziale Gerechtigkeit), Franz-Josef Münch (Integrationsamt) und Martin Willuweit (Integrationsfachdienst).