Von Ideen und Träumen - das ISL-Jugendtreffen im Rückblick

Porträt von Eileen Moritz (c) ISL e.V.Vom 16. bis 18. August 2013 fand das dritte ISL-Jugend-Empowerment-Treffen mit dem Titel „Auf die Plätze, fertig … endlich Zukunft“ in der brandenburgischen Bildungsstätte Preddöhl International statt. 17 junge Erwachsene mit unterschiedlichen Behinderungen waren in diesem Jahr dabei. Im Interview blickt ISL- Referentin Eileen Moritz auf das Treffen zurück.

Im Vorfeld eines solchen Treffens gibt es ja immer viel zu organisieren. Gab es dabei besondere Herausforderungen?

Für viele der Jugendlichen war dieses Wochenende ihre erste Reise, die sie jemals allein, ohne ihre Eltern unternommen haben. Sie waren also überhaupt nicht darin geübt, ein Anmeldeformular auszufüllen und die persönlichen Bedarfe anzugeben. Es hat also vieler Telefonate bedurft, um herauszufinden, welche Unterstützung sie möchten, ob sie mit Assistenz kommen, ob sie Gebärdensprachdolmetschung wünschen oder mit welchem Verkehrsmittel sie anreisen können.

 

Gruppenbild_der_Teilnehmenden

Jedes ISL-Jugendtreffen hat ja einen ganz besonderen Inhalt. Worauf lag denn in diesem Jahr der Schwerpunkt?

Ganz im Mittelpunkt stand bei uns die persönliche Zukunftsplanung. Das haben wir auch schon im Titel deutlich gemacht. Bei der persönlichen Zukunftsplanung geht es darum, Ideen und Träume im Kopf zu haben, Pläne für Veränderungen zu schmieden und zu überlegen, wie man seine Träume verwirklichen kann.

Und wie habt ihr das gemacht?

Im ersten Schritt haben wir uns zusammen die derzeitige Lebenssituation angesehen. Es wurde deutlich, dass die Jugendlichen sich wünschen, sich von ihren Eltern loslösen zu können. Sie möchten eigene Wohnungen beziehen, sich verlieben und Familien gründen – also das, was fast alle Jugendlichen in diesem Alter wollen. Doch dann ging es an die ersten Schritte und es wurde deutlich, vor welch besonderen Herausforderungen sie aufgrund ihrer Behinderung stehen: Es wird ihnen nicht zugetraut, ein eigenständiges Leben zu führen, viele werden überbehütet. Es kamen aber auch ganz konkrete Fragen auf: Wie organisiere ich mir Assistenz? Gibt es Möglichkeiten, auf Probe allein zu wohnen, und Ähnliches.

Konnten den diese konkreten Fragen auch geklärt werden?

Natürlich konnten die Fragen nicht bis ins Detail beantwortet werden. Darum ging es aber auch nicht. Es ging darum, Träume zuzulassen und die Jugendlichen mit der großen Frage „Was will ich wirklich?“ in Kontakt zu bringen.  Es sollte deutlich werden, dass ihre Träume respektiert werden und dass es selbstverständlich ist, ein Recht darauf zu haben, so zu leben, wie sie es sich vorstellen. Da die Jugendlichen an unterschiedlichen Ausgangspunkten waren, konnten sie sich über viele Dinge austauschen, sich gegenseitig Tipps geben. Wir von der ISL haben natürlich Hinweise zu unterschiedlichen Anlaufstellen gegeben.

Und was war noch im Programm?

Wir hatten Angebote zur Selbstbehauptung, bei denen man sich so richtig körperlich auspowern konnte. Es gab drei Pferde, auf denen wir reiten konnten. Überhaupt waren alle ganz begeistert von den Katzen, den Schafen, den Schlittenhunden, den Hühnern und Laufenten. Es wurde auch deutlich, wie viele der Jugendlichen sich wünschen, mit Tieren zu leben. Im Abendprogramm gab es außerdem Filme, Grillen, eine Tanzparty. Was nicht fehlen durfte, war natürlich Karaoke. Dafür hatten wir die Lied-Texte selbstverständlich auch in Brailleschrift vorbereitet.  

Gab es für dich denn einen besonderen Moment oder eine Situation, in der du dachtest „whow, genau so habe ich mir das in der Planung  vorgestellt“?

Mich hat sehr berührt, dass die jungen Erwachsenen in der kurzen Zeit ein solch hohes Maß an gegenseitiger Akzeptanz gezeigt haben. Viele haben mir erzählt, wie skeptisch sie am Anfang waren. Sie hatten Vorurteile bezüglich der anderen Jugendlichen mit anderen Behinderungen. Im Laufe des Wochenendes fanden sie dann heraus, wie schön es war, dass so viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen sind und wie viel sie voneinander gelernt haben. Ganz zum Abschluss gab es noch eine besondere Situation, als eine der Jugendlichen sagte: "Was ist das doch für eine schwere Frage - die Frage ´was will ich?`“. Diese Rückmeldung lohnt nach meiner Ansicht all die Arbeit, um jungen Erwachsenen den Raum zu geben, sich dieser Frage zu stellen.

Danke für das Gespräch und weiterhin guten Erfolg!


Das Interview führte Linda Waitz.