Neue Zielgruppe im inklusiven Arbeitsmarkt: Deutsch-Türkische Unternehmen

von Links: Armin Dötsch, H.- Günter Heiden (Moderator), Aynur Boldaz, Hermann Witt Fotos: ha-ber.com (Mümtaz Ergün / Orhan Önaldi)Zusammen mit InterAktiv e.V. und der Türkisch Deutschen Unternehmervereinigung Berlin (TDU) hat sich das ISL-Projekt Job-Win-Win mit einer Fachveranstaltung einer bisher unbeachtet gebliebenen Zielgruppe zugewandt: UnternehmerInnen mit türkischen Wurzeln. Allein in Berlin gibt es mittlerweile ca. 8.500 türkische Unternehmen, zumeist Kleine- und Mittlere Unternehmen (KMU), die über 40.000 Arbeitsplätze bereitstellen. „Ziel unserer Veranstaltung war es, die anwesenden türkischen UnternehmerInnen zu motivieren, Menschen mit Behinderungen einzustellen“, betont Projektleiterin Dr. Sigrid Arnade. „Ich glaube, das ist uns auch gut gelungen, denn vier Unternehmerinnen äußerten anschließend sofort ihr Interesse, andere zeigten sich sehr angetan von den Informationen, die sie heute erhalten haben.“

Nach der Einführung in die Fachveranstaltung durch Fatma Güccük vom Vorstand der TDU betonte der türkische Generalkonsul in Berlin, Başar Şen, in seinem Grußwort die Rechte behinderter Menschen – die Türkei hat im gleichen Jahr wie Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ratifiziert. In einer Talkrunde (siehe Foto) berichteten anschließend drei UnternehmerInnen über ihre Erfahrungen mit ihren behinderten MitarbeiterInnen: Aynur Boldaz, Geschäftsführerin des Dienstleistungsunternehmen FOREVER CLEAN, Hermann Witt, Holzhandwerker und Besitzer des Familienbetriebs He-Ho-Ba und Armin Dötsch, Restaurantleiter des „Ännchen von Tharau“. Alle drei sind auch MentorInnen bei Job-Win-Win.

Über Erfahrungen aus der Wissenschaft zur Beschäftigung behinderter Menschen informierte ISL-Bildungsreferentin Wiebke Schär, und Dr. Sigrid Arnade stellte die Bedeutung der UN-BRK für einen inklusiven Arbeitsmarkt dar. Auf großes Interesse stieß auch die Darstellung des Integrationsmanagements der Berliner Werkstätten für Behinderte (BWB), das Leiter Guido Handschug und Jobcoach Ismail Tekin darstellten. Das Integrationsmanagement hat das erklärte Ziel, Werkstattbeschäftige auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu führen. Dazu bot auch Jürgen Mauss von InterAktiv e.V. seine Hilfe an, wenn es darum geht, Betriebe zu besichtigen und ihnen Hilfestellung bei der Gestaltung eines barrierefreien Arbeitsplatzes zu geben.

Mit einem eindringlichen Appell in türkischer Sprache beschloss die InterAktiv-Vorsitzende Sevgi Bozdağ den Abend: “Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft ist ein Menschenrecht. Menschen mit Behinderung wollen und brauchen kein Mitleid. Sie fordern lediglich ihr Recht auf, gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein. Ich fordere deshalb alle pflichtbewussten UnternehmerInnen dazu auf, ihre Vorurteile zu überdenken und diesen Menschen eine Chance zu geben. InterAktiv e.V. setzt sich ganz stark dafür ein!“

Von rechts: Hermann Witt, Başar Şen, Sevgi Bozdağ Foto: ha-ber.com (Mümtaz Ergün / Orhan Önaldi)

Von rechts: Hermann Witt, Başar Şen, Sevgi Bozdağ Foto: ha-ber.com (Mümtaz Ergün / Orhan Önaldi)

Die Veranstaltung fand im Rahmen der bundesweiten Themenwoche der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) statt. Für die ADS sprach Bernhard Franke. Für den Herbst ist eine weitere Veranstaltung mit Müsiad-Berlin, dem deutsch-türkischen Verein unabhängiger Industrieller und Unternehmer, geplant.

Weitere Berichte über die Veranstaltung in türkischen Medien unter:

http://ha-ber.net/index.php?option=com_content&task=view&id=23704&Itemid=0

http://berlinturk.com/index.php/berlin/item/34085-engellilerde-istihdamı.html