Claudia Böhme brennt für Inklusion in Museen

Mein Name ist Claudia Böhme, im September 1970 bin ich als Frühgeburt in einem mecklenburgischen Dorf nahe der Stadt Schwerin zur Welt gekommen. Durch die Gabe einer Überdosis Sauerstoff wurde meine Netzhaut beschädigt, was der Grund für meine hochgradige Seheinschränkung ist. Nach dem Abitur 1989 habe ich eine Ausbildung zur Schreibkraft absolviert und bis zur Geburt meiner Tochter am Bundespatentgericht in München in diesem Beruf gearbeitet.

Der Tochter folgten noch zwei Söhne. Nach der langen Erziehungszeit habe ich mich für ein Studium der Geschichte und Literaturwissenschaften an der Universität Augsburg entschieden, ohne konkrete berufliche Ziele. Ein Gespräch mit dem berufsberatenden Dozenten hat auch zu keinem Ergebnis geführt. Eine andere Dozentin hat dann schließlich den Gedanken geäußert, dass sie es wichtig finden würde, dass es in Museen auch Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen geben sollte. Das war zu einer Zeit, als die UN-Behindertenrechtskonvention noch kein Thema war. Ich habe begonnen, zu Barrierefreiheit in Museen zu recherchieren und Feuer gefangen.

Seither hat mich die Idee, blinde Menschen und Museen zusammen zu bringen, bewegt. Ich habe weitere Seminare besucht, um das Thema Museum als solches zu vertiefen und nach dem Magisterstudium 2015 ein Masterstudium abgeschlossen, das sich schwerpunktmäßig mit der Vermittlung von Inhalten im Museum befasst hat.

Die Inklusion hat inzwischen an Fahrt gewonnen. Ein Selbstläufer ist sie jedoch keineswegs schon geworden. Schwerpunkte, denen zukünftig mehr Beachtung geschenkt werden sollte, sind Information, Kommunikation und Willkommenskultur. Informationen müssen bei der Zielgruppe ankommen, in der Kommunikation über Presse, Homepage usw. sollte auf sprachliche Formulierungen geachtet werden. Zum Beispiel wären Wendungen wie  „Blinden- oder Behindertenführung“ zu überdenken. Mit geschultem Personal, das Menschen mit Behinderungen gegenüber freundlich, offen und sicher auftritt, so dass sich die BesucherInnen willkommen fühlen, kann mit relativ wenig Aufwand ein entscheidender Schritt hin zur Inklusion gemacht werden.

Als Inklusionsbotschafterin brenne ich immer noch dafür, blinde und sehbehinderte Menschen und Museen zusammen zu bringen. Inzwischen vertrete ich einen relativ weit gefassten Inklusionsbegriff. Letztendlich betrifft Inklusion nämlich nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern sie kommt allen BesucherInnen zugute.

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