Katrin Seelisch: Herausforderungen am Arbeitsplatz begegnen

Ich heiße Katrin Seelisch und wurde am 8. April 1961 in Ostberlin geboren. Ob ich von Geburt an schwerhörig bin oder dies in meiner frühen Kindheit aufgrund gehäufter Mittelohrentzündungen erst wurde, darüber stritten sich die Ärzte. Inzwischen ist es mir egal – Fakt ist, ich bin es. Mit fünf Jahren bekam ich meine ersten Hörgeräte. Ich durchlief die Schwerhörigenschule bis zum Abitur, ging danach an die Universität. Da ich durch die behütete Sonderwelt "Schwerhörigenschule" keinerlei Erfahrungen mit der sogenannten normalen Welt machen konnte, musste ich mir an der Universität den Umgang mit Hörenden erst hart erarbeiten. Ich lernte zu kämpfen und sechs Jahre später hatte ich mein Diplom als Synthesechemikerin in der Tasche.

Nach dem Fall der Mauer studierte ich noch einmal – Sozialpädagogik. Ich habe als Diplom-Sozialpädagogin, inzwischen mit mehreren Zusatzausbildungen, fast ausschließlich bei Trägern gearbeitet, die Unterstützung und Hilfen für Menschen mit Behinderungen anbieten. Meine eigene Behinderung habe ich dabei hinter meinen Hörgeräten verborgen. Das bewusst parteiliche Arbeiten mit und für Menschen mit Behinderungen war damals nicht selbstverständlich für mich. Das ist jetzt zum ersten Mal anders: Heute arbeite ich als Peer Counselorin bei der Fürst Donnersmarck-Stiftung in Berlin – einem Träger, der Menschen mit körperlichen und Mehrfachbehinderungen auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben unterstützt. Ich berate Menschen mit Behinderungen auf Augenhöhe - vor dem Hintergrund meiner eigenen Betroffenheit.

In meiner Beratungstätigkeit merke ich immer wieder, wie wichtig das Thema Arbeit für Menschen mit Behinderungen ist. Hier möchte ich als Inklusionsbotschafterin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) und als Peer Counselorin der Fürst Donnersmarck-Stiftung ansetzen: Für Berufstätige mit Behinderungen am 1. Arbeitsmarkt biete ich eine Gruppe auf Basis von Peer Support / Peer Counseling an. Ziel ist es, sich regelmäßig über Herausforderungen am Arbeitsplatz auszutauschen, mit denen man aufgrund der Behinderung konfrontiert ist und die sich Kollegen ohne Behinderung nur schwer vermitteln lassen. Als Inklusionsbotschafterin möchte ich erreichen, dass Menschen mit Behinderungen ganz selbstverständlich jenseits einengender Sonderwelten, wie ich sie zum Beispiel in meinen Schulzeiten erlebte, ihren anerkannten Platz am Arbeitsmarkt haben oder eine qualifizierte Stelle erst einmal finden. Dies wäre aus meiner Sicht ein wichtiger Beitrag zum Bewusstsein um bereichernde Vielfalt – nicht nur am Arbeitsmarkt.

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